Es ist okay traurig zu sein

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Es gibt Zeiten in denen es einem das Leben nicht sonderlich leicht macht, in denen manchmal eins zum nächsten kommt und wir trotzdem funktionieren müssen. Manchmal kommt es mir vor wie eine unlösbare Aufgabe, manchmal ist mir das Leben einfach zu viel. Wir verlieren Menschen, auf die eine oder andere Art und wir müssen mit diesem Verlust umgehen, denn Aufgeben war noch nie eine Option.

Es gibt Tage an denen möchte ich mich zurückziehen, meine Gefühle ausleben, ohne mich vor jemandem rechtfertigen zu müssen, denn wie Kettcar schon sang:„aber irgendwie schon besser im Taxi zu weinen als im HVV-Bus oder nicht?“. Von Anfang an wird uns beigebracht, unsere Traurigkeit zu verstecken, uns in der Öffentlichkeit zurück zu halten. Vor kurzem beobachtete ich auf einer Feier, wie ein kleines Mädchen, aus mir unersichtlichen Gründen, bitterlich zu weinen begann und irgendwie beneidete ich sie darum, dass sie ihre Gefühle so ungefiltert raus lassen konnte. Wie oft laufe ich durch die Welt, mit einem Kloß im Hals und würde gerne aus voller Seele anfangen zu weinen aber ich halte mich zurück, schlucke den Kummer runter und mache weiter, wie es sich gehört, wie ich es gelernt habe und wie es auch diesem kleinen Mädchen mit der Zeit beigebracht werden wird.

An anderen Tagen kann ich einfach nicht alleine sein. Ich brauche meine Freunde, die einen um mich abzulenken, die anderen um mir zu zuhören. Doch allzu oft, wenn ich dann wirklich ehrlich bin und die Tränen unkontrolliert zu fließen beginnen, setzt mein Gegenüber alles daran mich aufmuntern zu wollen. Es folgen eine Vielzahl an gutgemeinten Ratschlägen und Floskeln. Einer meiner liebsten Sätze ist „traurig sein steht dir nicht!“, in dem etwas so einnehmendes wie Trauer auf etwas ganz Oberflächliches reduziert wird. Dieses Gefühl ist einfach da und dieses Gefühl möchte raus, egal wie ich dabei aussehe. In diesem Moment möchte ich einfach jemanden, der mir zu hört, der meiner Trauer Raum gibt und mich vielleicht in den Arm nimmt. Ich erwarte keine Lösung, denn die Lösung muss aus mir kommen. Ganz im Gegenteil, in diesem Moment kann ich nicht rational denken, auch wenn das von außen schwer nachzuvollziehen ist.

Vielleicht können vielen Menschen es nicht aushalten jemanden trauern zu sehen. Aber es ist okay traurig zu sein. Es spielt keine Rolle, wie unbedeutend dein Leid in Hinblick auf das große Ganze zu sein scheint, denn Trauer ist etwas ganz Persönliches.

Ich glaube, es ist gesund seine Trauer auszuleben aber genauso weiß ich, dass ich für meinen Teil, nachdem ich mir die Zeit genommen habe um traurig zu sein, am nächsten Tag aufstehe und funktioniere. So wie es von mir erwartet wird, so wie es immer ist.

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