Dunkelheit


Ich habe einen Wegbegleiter, er sitzt in meinem Kopf und breitet seinen Schatten aus. Greift nach mit und zieht mich zu sich in die Dunkelheit. Ich kämpfe, um mich seinen Fängen zu entziehen, seit Tagen, Wochen, Monaten, Jahren. Manchmal möchte ich einfach aufgeben, mich fallen lassen und in die Tiefen herabsinken. 

Dieser Wegbegleiter ist ständig bei mir. Er ist zu einem Teil von mir geworden, Normalität, denn ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der er nicht da war. Ich hatte akzeptiert, dass ich so bin, ein bisschen melancholisch, ein bisschen zu emotional. Als im letzten Jahr dann die Grundfesten meines Lebens, eine nach der nächsten zusammenbrachen, hüllte mich die Dunkelheit komplett ein. Seitdem falle ich. 

Verloren in der Welt, verloren in kaum ertragbaren Wellen von Gefühlen, gefangen in meinem Kopf, abgelöst von plötzlicher Stille, völliger Leere. Mein Bild von meiner Normalität begann zu bröckeln. Hier schaffe ich es nicht allein raus, die Dunkelheit ist zu groß und ich zu klein. Dann die Diagnose. Depressionen. Ein kleiner Vorsprung in der Dunkelheit, an dem ich mich festhalten konnte, ein Name für diesen Begleiter, eine Erklärung, eine Krankheit.  

Die Dunkelheit wird wahrscheinlich nie komplett verschwinden, aber sie muss nicht meine Normalität sein. Oft falle ich noch, oft möchte ich mich meinem Begleiter noch die Hand reichen und mich hingeben, oft bin ich traurig, dass ich nicht früher verstanden habe, was diese Dunkelheit ist. Gerade stehe ich noch am Anfang meines Weges aber vielleicht möchtet ihr mich ja begleiten, auf der Suche nach dem Licht. 

Hinterlasse einen Kommentar